Berolina

Vierspezies-Sprossenradmaschine

ca. 1901

Etwa zehn Jahre nach dem Produktionsbeginn von Brunsviga (1892) konnte Ernst Schuster, Berlin, diese Vierspezies-Rechenmaschine auf den Markt bringen. Sie war damit die vierte in Deutschland hergestellte Sprossenradmaschine; die zweite war von Heinrich Esser (vgl. FDM 6581) und die dritte von W. Küttner (FDM 9019). Als Konstrukteur dieser Maschine wird in der Literatur auf Christel Hamann verwiesen. Dieser soll sie um 1898 in seinem Berliner feinmechanischen Institut konstruiert und hergestellt haben. Anschließend habe er den Vertrieb an Ernst Schuster übertragen. Auf Schuster wurden dann in den Jahren zwischen 1901 und 1908 mehrere Patente ausgestellt, die einzelne Verbesserungen und Zusätze bei Sprossenradmaschinen betrafen. Der Nachweis für Hamanns Urheberschaft der Berolina, auch mit zweitem Resultatwerk, existiert in zwei US-Patentschriften: US 705838 und US 772935, in denen alle spezifischen Einrichtungen der Berolina beschrieben sind. Die Berolina war ein sehr früher Konkurrent der Brunsviga, vor allem im Auslandsgeschäft, wo sie als Multo-Divo (vgl. FDM 9007), als Svecia oder als BIS angeboten wurde.

Die Maschine war einfach aufgebaut, ohne Sicherheitseinrichtungen gegen Fehlbedienungen, und sie unterschied sich von der Brunsviga nur durch die Kurbeln für die Schlittenbewegung und für die Zählwerkslöschung. Ein weiteres Modell "Duplicator" enthielt ein zweites Resultatwerk, sodass man Summen von Produkten bilden konnte, im technischen und im statistischen Bereich eine häufig auftretende Forderung. Dieser Zusatz wurde Christel Hamann/Ernst Schuster auch patentiert. Um 1927 wurde die Herstellung der Maschinen eingestellt.

Ernst Schuster war in Berlin mehrere Jahre (ca. 1895 bis ca. 1908) Generalvertreter der Firma Brunsviga, um dann mit seiner Berolina dem ehemaligen Lieferanten Konkurrenz zu machen. Es wird berichtet, dass diese Maschine nicht nur von Christel Hamann konstruiert, sondern auch in dessen mathematisch-mechanischem Institut in Berlin-Friedenau bis in die 1920er Jahre gefertigt wurde. Schuster habe - nach diesen Darstellungen - nur den Vertrieb besorgt. Letzte Sicherheit für diese Umstände ist bisher nicht aufgefunden worden. Dieses Exemplar unterscheidet sich von der älteren Maschine FDM 6367: Es hat keine direkte Einstellung im Resultatwerk.
Inventarnummer:
FDM6301

Jahr der Erfindung:
1901

Hersteller:
Ch. Hamann Mathematisch-mechanisches Institut (GmbH)

Baujahr:
ca. 1901

Hauptgattung:
Vierspeziesmaschine

Untergattungen:
Sprossenrad

Kapazität:
9 (EW) x 8 (UZW) x 13 (RW)

Maße (H x B x T):
14 x 38 x 20 cm

Gewicht:
9,3 kg

Produktionszeit:
1901 - 1929

Seriennummer:
93 (?)


Literatur:
  • Anthes, Erhard: „Grundpatent von Christel Hamann - Die Rechenmaschine Berolina.'' in: Historische Bürowelt 84, 2011, p. 26-27
  • Brauner, Ludwig/Vogt, Victor: Illustriertes Orga-Handbuch erprobter Büro-Maschinen. Berlin 1921, p. 222
  • Handbuch der Büromaschinen: Übersicht über die wichtigsten auf dem mitteleuropäischen Markte eingeführten Büromaschinen und Apparate. Berlin o. J. [1927], p. 149
  • Martin, Ernst (Pseud.): Die Rechenmaschinen und ihre Entwicklungsgeschichte. Pappenheim 1925, Nachtrag 1936 (Nachdruck: Leopoldshöhe 1985), p. 138f.
  • Petzold, Hartmut: Rechnende Maschinen. Eine historische Untersuchung ihrer Herstellung und Anwendung vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Düsseldorf 1985, p. 130
  • Reese, Martin: Neue Blicke auf alte Maschinen. Zur Geschichte mechanischer Rechenmaschinen. Hamburg 2002, p. 53-54

Patente:
  • AT 17165 [1902]
  • DE 143884 [1902]
  • DE 204040 [1907]
  • DE 205794 [1907]
  • GB 190209797 [1902]
  • US 705838 [1902]
  • US 772935 [1903]
  • US 901748 [1908]

Weitere Exemplare in der Sammlung (1):
  • FDM6367 (ca. 1901, SNr.: 23)
Dieses Objekt befindet sich aktuell nicht in der Ausstellung.

 

Querschnitt in Aufsicht mit Resultatwerk, Umdrehungszählwerk und Löschkurbel, © US 772935
Berolina, 1901, FDM6301, © Arithmeum