Gauss-Mercedes

Zylindrische Vierspezies-Staffelscheibenmaschine

1909

Die kompakte, zylindrische Staffelscheibenmaschine mit zentralem Schaltorgan „in Gestalt einer abgewickelten Staffelwalze“ wurde von dem Berliner Konstrukteur Christel Hamann um 1905 erfunden und in Patenten beschrieben. Ein Vorläufer (die sog. Haack/Hamann-Konstruktion, siehe Bölter [2007]) wurde bereits 1900 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Die zunächst „Gauss“ und dann in verbesserter Form „Mercedes“ genannte Maschine kann als Vorläufer von Curt Herzstarks „Curta“ (vgl. Inv.-Nr. FDM 9008) angesehen werden, denn die einzige zentrale Staffelscheibe mit ihren Zähnen wird durch Kurbeldrehung an den radial gelagerten Zahnrädern vorbeibewegt, wobei der eingestellte Wert in das Resultatwerk einläuft. Die „Mercedes“ besitzt im Vergleich zur „Gauss“ eine wesentliche Verbesserung, nämlich eine Schaltscheibe, die für komplementäre Arithmetik (bei Subtraktion und Division) ausgelegt ist. Diese könnte Ideengeber für Herzstarks Komplementär-Staffelwalze gewesen sein. Das äußere Kennzeichen der Mercedes ist der zusätzliche Umschalter Add./Sub. neben der Kurbel. In einer ausführlichen Analyse geht Ulf Hashagen [2003] auf den interessanten Entwicklungsprozess der Maschine ein, an dem auch Geowissenschaftler beteiligt waren. Es wurden angeblich ca. 1000 Exemplare der „Gauss“ / „Mercedes“ gebaut und z.B. von der Fa. Reiss in ihren Instrumentenkatalogen zwischen 1906 und 1914 angeboten; nur wenige haben die Zeiten überdauert. Mit Produktionsbeginn der Euklid 1 (FDM 6174) wurde die Herstellung der Gauss-Mercedes eingestellt. Vgl. auch Inv.-Nr. FDM 9465.
Inventarnummer:
FDM9251

Erfinder:
Christel Hamann

Jahr der Erfindung:
1905

Hersteller:
Mercedes Bureau-Maschinengesellschaft m.b.H.

Baujahr:
1909

Hauptgattung:
Vierspeziesmaschine

Untergattungen:
Staffelwalze

Kapazität:
6 (EW) x 9 (UZW) x 10 (RW)

Maße (H, ø):
12 cm, ø 15 cm

Gewicht:
2,9 kg

Produktionszeit:
1909 - 1911

Seriennummer:
1589


Literatur:
  • Geißler, Kurt: „Tischrechner Mercedes ein Flopp?" In: Historische Bürowelt 70, 2005, p. 17-18
  • Haerpfer, Alfred: „Die Rechenmaschine ´Mercedes´”, in: Zeitschrift für Vermessungswesen, 38,1909, p. 572-584
  • Hashagen, Ulf: „Die Rechenmaschine ´Gauss´ - eine gescheiterte Innovation?“, in: Hashagen, U./Blumtritt, O./Trischler, H. (Hrsg.): Circa 1903. Artefakte in der Gründungszeit des Deutschen Museums. München 2003, p. 370-398
  • Petzold, Hartmut: Rechnende Maschinen. Eine historische Untersuchung ihrer Herstellung und Anwendung vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Düsseldorf 1985, p. 129f.
  • Schulz, J.W.G.: „Die Hamann´sche Rechenmaschine ´Gauss´“, in: Zeitschrift für Instrumentenkunde 26, 1906, p. 50-58
  • Semmler, Wilhelm: „Die Rechenmaschine Gauss und ihr Gebrauch". In: Zeitschrift für Vermessungswesen 1906, 1+2

Patente:
  • DE 194527 [1905] (Christel Hamann: Rechenmaschine)
  • DE 210661 [1908] (Christel Hamann: Einrichtung an Rechenmaschinen zur Ausführung negativer Rechnungen ohne Änderung der Drehrichtung der Kurbel)
  • US 832666 [1905] (Christel Hamann: Calculating-Machine)

Weitere Exemplare in der Sammlung (1):
  • FDM9465 (1909, SNr.: 1598)
Dieses Objekt befindet sich aktuell in der Ausstellung im Erdgeschoss.

 

Komplementär-Staffelscheibe: Ausführung und Prinzip, © DE 210661.
Zylindrische Vierspezies-Staffelscheibenmaschine von Christel Hamann, 1909-1911, FDM 9251, © Arithmeum