Burkhardt-Weiss

Staffelwalzenmaschine

ca. 1880

Arthur Burkhardt datierte die Gründung seiner Rechenmaschinenfabrik auf 1878. Die Produktion seiner Staffelwalzenmaschine kam aber wohl nur sehr langsam in Gang. So berichtete Reuleaux 1892 (14 Jahre nach der Gründung!), dass die Fertigstellung der 500. Maschine bevorstehe. Während Burkhardt zunächst nur Nachbauten der Thomas-Maschine lieferte, brachte er bald auch Verbesserungen an seinen Produkten an (siehe Hampel [2003]). Diese Verbesserungen wurden dann auch in ältere Maschinen eingebaut. Insofern ist eine Datierung der Maschinen auf Grund von Ausstattungsdetails äußerst unzuverlässig. Die hier gefundene Maschinen-Nr. 29 deutet auf solche nachträglichen Zufügungen hin: Das Staffelwalzensignet, die großen Radlöscher von Resultatwerk und Umdrehungszählwerk, die Kommaschiene, der eingeklebte Zettel mit den Bedienungshinweisen (versehen mit Nr. 212), die Beschriftung des Umschalthebels; alles sind durchaus Kennzeichen späterer Maschinen. Neben dem Burkhardt-Signet mit der Inschrift Burkhardt Arithmometer gibt es die Angabe Friedrich Weiss Uhrmacher Wien. Vermutlich ist die Maschine von Burkhardt nach Wien an den dort ansässigen Uhrmacher geliefert worden, der sie dann weiter verkaufte. Die Vorstellung war ja, dass vor allem Uhrmacher in der Lage seien, Defekte einer Rechenmaschine zu beheben. Eine andere Möglichkeit ist aber auch darin zu sehen, dass Friedrich Weiss die Maschine für den eigenen Gebrauch kaufte und eine Eigentumskennzeichnung anbrachte. Weiss entwickelte nämlich eine Rechenmaschine nach dem Schaltklinkenprinzip (FDM 7145), die ihm ab 1893 in Deutschland patentiert wurde (DE 73107). Die Verbesserungen, die Burkhardt im Laufe der Jahre an seinen Maschinen anbrachte, wurden nicht patentiert; vermutlich hat er den Aufwand, der damit verbunden war, nicht auf sich nehmen wollen. Es ist nur ein Patent von 1905 bekannt, das eine Tasteneinstellung im Einstellwerk betrifft (DE 189141). Die Maschine ist in jedem Fall ein frühes Dokument aus der Burkhardtschen Fabrik.
Inventarnummer:
FDM7051

Jahr der Erfindung:
1880

Hersteller:
Arthur Burkhardt: Werkstatt für Feinmechanik

Baujahr:
ca. 1880

Hauptgattung:
Vierspeziesmaschine

Untergattungen:
Staffelwalze

Kapazität:
8 (EW) x 9 (UZW) x 16 (RW)

Maße (H x B x T):
11 x 59 x 19 cm

Gewicht:
9,5 kg

Produktionszeit:
1878 - 1895

Seriennummer:
29


Literatur:
  • Burkhardt, Arthur: Geschichte der Gründung der deutschen Rechenmaschinen-Industrie. Glashütte 1913
  • Hampel, Thorsten: „Das Burkhardtsche Arithmometer aus Glashütte in Sachsen - Entwicklungsschritte von Technik und Ergonomie“, in: Zweites Greifswalder Symposium zur Entwicklung der Rechentechnik. Greifswald 2003, p. 97-118
  • Jordan, W.: „Eine deutsche Fabrik für Rechenmaschinen“, in: ZfV 9, 1880, p. 439-441
  • Lehmann, N. Joachim: Glashütte 1878. Beginn der deutschen Rechenmaschinenfertigung. Berlin 1989
  • Petzold, Hartmut: Rechnende Maschinen. Eine historische Untersuchung ihrer Herstellung und Anwendung vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Düsseldorf 1985, p. 102-111
  • Reese, Martin/Anthes, Erhard: "Bunzel und Burkhardt - Eine verschwiegene Zusammenarbeit über 25 lange Jahre," in: Schmidt, W.H. u. Girbardt, W. (Hrsg.): 4. Greifswalder Symposium zur Entwicklung der Rechentechnik und 15. Internationales Treffen für Rechenschieber- und Rechenmaschinensammler IM2009, Greifswald, p. 27-42
Dieses Objekt befindet sich aktuell nicht in der Ausstellung.

 

Aufbau der Maschine mit Staffelwalzen und Zehnerschalthebel, © Lind [1954].
Burkhardt-Weiss, 1880, FDM7051, © Arithmeum