Von Drachen, die die Sonne verschlingen - wie in der Renaissance Sonnenfinsternisse vorhergesagt wurden

Workshop für Erwachsene zur aktuellen Sonderausstellung

Eine Sonnenfinsternis galt immer schon als stiller Riss im Kalender der Gewissheiten und wurde in unterschiedlicher Weise als Omen gedeutet. Umso mehr versuchten die Menschen dieses Naturphänomen intellektuell zu durchdringen und durch Vorhersage zu entzaubern. Dies gelang durch genaue Himmelsbeobachtung. In der Renaissance wurden mit astronomischen Uhren nicht nur Zeitmesser gebaut, sondern kleine Weltmodelle, die aus Eisen, vergoldetem Messing gefertigt waren. Sie dienten als Zeichen für eine Epoche, in der der Himmel nicht mehr nur beobachtet, sondern auch geordnet und simuliert werden sollte. Wer vor einer solchen Uhr steht, sieht mehr als Zeiger und Ziffern. Er sieht ein Bild jener Zeit, in der Mechanik noch Staunen auslöste und Wissenschaft nicht nur nützlich, sondern immer auch kunstvoll war. Die astronomische Uhr aus der Kunstkammer Pohl-Goldschmidt, die derzeit im Arithmeum gezeigt wird, ist ein reines Kunstwerk des Verstandes. Durch die hohe Präzision des Handwerks sollte der Kosmos lesbar gemacht werden. Stunden, Mondphasen, Tierkreis, Sonnenstand: Alles fand seinen Platz in einer streng komponierten Ordnung. Die Uhr war ein Theater des Himmels und jeder Blick auf ihr Zifferblatt eine kleine Erinnerung daran, Demut zu üben. Besonders faszinierend ist der sogenannte Drachenzeiger. Sein Name erinnert an den Mythos, des die Sonne verschlingenden Drachens. Dieser Zeiger präsentiert die Mondknoten, also den Schnittpunkt der Ekliptik mit der Mondbahn. Die Ekliptik symbolisiert die von der Erde aus im Laufe des Jahres wahrzunehmende Bahn der Sonne. Der Mond kreuzt diese Bahn einmal von Süden nach Norden, was als aufsteigender Mondknoten bezeichnet wird und umgekehrt ist es der absteigende Mondknoten. Wenn der Sonnenzeiger der astronomischen Uhr auf einer Achse mit dem Drachenzeiger liegt, wird eine Sonnenfinsternis angezeigt. Die Geschwindigkeiten aller Zeiger dieser Uhr aufeinander korrekt abzustimmen, so dass die Anzeige die Realität abbildet, war eine der höchsten Herausforderungen der damaligen Instrumentenbauer und Uhrmacher. Den Besitzer einer solchen Uhr hat das Phänomen dann schließlich genau so beeindruckt, wie es heute noch der Fall ist und er war stolz, den Zeitpunkt einer Sonnenfinsternis korrekt vorherzusagen und damit die kosmischen Gesetze zu durchschauen und nicht mehr zu fürchten. Am 9. August um 16 Uhr bieten wir hierzu einen Workshop für Erwachsene an (und natürlich auch für interessierte Teenager...).

 

Treffpunkt ist 16:00 Uhr am Empfang im Foyer.

Kosten: 6 € pro Person
Anmeldung unter arithmeum(at)or.uni-bonn.de oder über 0228-738790.


Wir präsentieren in regelmäßigen Abständen eines der vielen faszinierenden Themen, die unser Haus zu bieten hat, in einem Workshop für Erwachsene. Vorkenntnisse sind jeweils nicht notwendig!