Stschoty - Russischer Abakus 20. Jahrhundert

Der Stschoty ist ein russisches Rechenbrett, bestehend aus einem Holzrahmen mit Querstangen - deren Anzahl entspricht den einstellbaren Stellen. Das Wort Stschoty ist vermutlich vom russ. Stschot (Rechnung) abgeleitet.

Der Stschoty ist so zu bedienen, dass die Kugeln auf den quer liegenden Stäben waagerecht hin und her geschoben werden. In der Grundstellung sind alle Kugeln an der rechten Seite des Rahmens anliegend. Das Ergebnis ist stets auf der linken Seite abzulesen.

In Russland wird auf die beim Abakus geläufige Zweiteilung verzichtet. Die 5er-Bündelng wie beim römischen, japanischen (Soroban) oder chinesischen (Suanpan) Abakus entfällt. Auf den Stangen eines Stschoty laufen je zehn Kugeln, wobei die fünfte und sechste Kugel eine andere Farbe tragen; diese farbig markierten Kugeln dienen als optische Merkhilfe, um zum Beispiel während des Rechnens eine Fünfer-Gruppierung schneller erfassen zu können.

Ein weiteres Merkmal dieser Rechenbrettvariante liegt in der waagerechten Nutzung. Die meisten Bretter sind daher leicht pultförmig abgeschrägt, wobei die Stelle mit dem geringsten Wert zum Benutzer hin zeigt. Zudem lässt sich eine leicht konvexe Wölbung der Stangen feststellen, die dazu dient, die Kugeln während einer laufenden Berechnung auf der jeweils linken oder rechten Seite zu halten.

Die erste und die vierte Stelle tragen häufig nur vier Kugeln. Diese Besonderheit dient zum Einen der Darstellung von 1/4-Werten (Währung, Gewichte, Maße). Zum Anderen symbolisiert sie, in diesem Fall ohne weitere Bedeutung der vier auf ihr liegenden Kugeln, den Dezimalpunkt einer Rechnung, d.h. alle Kugeln auf den darüber liegenden Stäben haben ganze Werte in aufsteigenden Zehnerpotenzen und alle Kugeln auf den unteren Stäben haben ganze Werte in absteigenden Zehnerpotenzen. Die Bedienungsweise des russischen Kugelrechners ist im Allgemeinen einfacher als die eines Soroban oder Suanpan, zugleich jedoch langsamer.

Die im europäischen Raum geläufige Variante wurde durch den Offizier und Mathematikprofessor Jean-Victor Poncelet (1788-1867) aus dem Russlandfeldzug Napoleons mit nach Europa gebracht und als Schulrechenbrett bekannt.

Dieser Stschoty aus dem 20. Jahrhundert besteht aus 12 Kugelreihen in einem verzapften Holzrahmen mit vier rosettenförmigen Eck-Ziernägeln. In der vierten Reihe befinden sich lediglich vier der sonst vorliegenden zehn Kugeln. Dies dient den Berechnungen mit 1/4-Rubeln oder aber der Anzeige der Kommastelle.