Soroban ca. 1900

Dieser in einheitlicher Färbung gefertigte 21-stellige Holz-Soroban hat einen verzogenen Rahmen. Hier steht die besonders ästhetische Fertigung ohne störende Rückenstreben der Formstabilität entgegen. Daher hat sich diese optisch ansprechendere Variante langfristig nicht durchgesetzt, da sie einer dauerhaften Nutzung entgegenstand. Die japanische Kultur schätzt Objekte, die ausgesprochen dauerhaft sind und über viele Generationen weitergegeben werden. Je älter ein Objekt ist und je bedeutender die Vorbesitzer waren, desto wertvoller wird es in den Augen der Besitzer, vergleichbar mit kostbaren Musikinstrumenten in Europa. So finden sich auch bei den älteren erhaltenen Soroban viele reparierte Objekte. Ein kunstvoll repariertes und wieder funktionstüchtiges Original ist im traditionellen Japan einem neuen Stück vorzuziehen. Eine solche Reparatur darf durchaus auffallen. Möglicherweise zeugen die dunkleren Perlen der siebten Stelle von rechts, also der Millionen, bei diesem Soroban von einer solchen Reparatur. Dies ist anzunehmen, da Soroban üblicherweise streng symmetrisch aufgebaut waren. Die Rahmenverarbeitung mit den auf Stoß gesetzten Seitenteilen deutet darauf hin, dass es sich hier um einen in der Tradition der Unshu-Soroban gefertigtes Exemplar handelt.