Gauss-Mercedes

Die kompakte, zylindrische Staffelscheibenmaschine mit zentralem Schaltorgan „in Gestalt einer abgewickelten Staffelwalze“ wurde von dem Berliner Konstrukteur Christel Hamann um 1905 erfunden und in Patenten beschrieben. Ein Vorläufer (die sog. Haack/Hamann-Konstruktion, siehe Bölter [2007]) wurde bereits 1900 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Die zunächst „Gauss“ und dann in verbesserter Form „Mercedes“ genannte Maschine kann als Vorläufer von Curt Herzstarks „Curta“ angesehen werden, denn die einzige zentrale Staffelscheibe mit ihren Zähnen wird durch Kurbeldrehung an den radial gelagerten Zahnrädern vorbeibewegt, wobei der eingestellte Wert in das Resultatwerk einläuft. Die „Mercedes“ besitzt im Vergleich zur „Gauss“ eine wesentliche Verbesserung, nämlich eine Schaltscheibe, die für komplementäre Arithmetik (bei Subtraktion und Division) ausgelegt ist. Diese könnte Ideengeber für Herzstarks Komplementär-Staffelwalze gewesen sein. Das äußere Kennzeichen der Mercedes ist der zusätzliche Umschalter Add./Sub. neben der Kurbel. In einer ausführlichen Analyse geht Ulf Hashagen [2003] auf den interessanten Entwicklungsprozess der Maschine ein, an dem auch Geowissenschaftler beteiligt waren. Es wurden angeblich ca. 1000 Exemplare der „Gauss“ / „Mercedes“ gebaut und z.B. von der Fa. Reiss in ihren Instrumentenkatalogen zwischen 1906 und 1914 angeboten; nur wenige haben die Zeiten überdauert. Mit Produktionsbeginn der Euklid 1 (FDM 6174) wurde die Herstellung der Gauss-Mercedes eingestellt. Vgl. auch Inv.-Nr. FDM 9465.