Schuster III

Der fränkische Uhrmacher Johann Christoph Schuster (1759 - 1823) baute nach heutigem Stand drei zylindrische Rechenmaschinen: Die erste, elfstellig und datiert 1789-1792, folgt - auch in der äußeren Gestaltung - noch exakt dem Entwurf der Hahn-Rechenmaschinen; sie ist im Deutschen Museum erhalten. Die zweite, neunstellig und datiert 1805-1820, ist in ihren Abmessungen etwas kleiner als die erste und hat die von der Müller-Maschine bekannten Einstellrädchen des Einstellwerks; das Original befindet sich ebenfalls im Deutschen Museum in München, ein Replikat im Arithmeum. Die hier besprochene zehnstellige Rechenmaschine entstand 1820/22, ist aber erst 1993 durch eine Auktion in London bekannt geworden. 1999 gelangte sie ins Arithmeum. Die Maschine ist beschriftet: „Rechnungs Maschine von Johann Christoph Schuster zu Ansbach in Franken angefangen 1820 vollendet 1822“. Die zehn Stellen des Einstellwerkes werden mit Rändelmuttern bedient, wobei die Einstellung einer Zahl in einem Kontrollwerk mit Ziffernrollen überprüft werden kann. Das Resultatwerk und das Umdrehungszählwerk befinden sich im zentralen, drehbaren Teil der Maschine; sie sind jeweils zehnstellig. Die größeren emaillierten Ziffernscheiben gehören zum Resultatwerk, die kleineren zum Umdrehungszählwerk. Die schwarzen und roten Ziffern im Resultatwerk sind für die Multiplikation bzw. für die Division vorgesehen. Eine entsprechende Beschriftung befindet sich neben der Einerstelle: „RothSubtr: u: Div: Schwarz Add: u: Mult:“ Auf dem Einstellring ist eingraviert: „Die Scheiben Zahlen sind zu der Rechnungsart die Richtung“. Die Stellenwerte des Resultatwerkes sind folgendermaßen eingraviert: Einer, Zehen, Hundert, Tausend, 10 Tausend, 100 Tausend, Million, 10 Million, 100 Million, 1000 Million [= 1 Milliarde]. Zu jedem der beiden Werke gibt es eine Direkteinstellung mittels Rändelmuttern; diese dienen zugleich zur Löschung des betreffenden Werkes. Die für die Dezimalverschiebung drehbar eingerichtete innere Einheit wird mittels einer Rastfalle fixiert. Die Kurbel darf nur in eine Richtung  (im Uhrzeigersinn) gedreht werden. Die jeweilige Rechenposition des Umdrehungszählers wird durch einen Zeiger angezeigt. Die wesentlichen mechanischen Einrichtungen - darunter Staffelwalzen und der zweistufige Zehnerübertrag - entsprechen denen der Hahnschen Konstruktion. Die Maschine ist zu einer Zeit entstanden, als der Franzose Charles Xavier Thomas erste Anstrengungen unternahm, eine kommerziell nutzbare Staffelwalzenmaschine zu bauen. Sie ist wohl das letzte Artefakt der vorindustriellen Phase.