Pascaline

Blaise Pascal baute 1642 im Alter von 19 Jahren eine Rechenmaschine für Addition und Subtraktion. Lange Zeit galt sie als erste Rechenmaschine, die mechanisch einen Zehnerübertrag realisierte. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts stellte sich heraus, dass der Tübinger Mathematikprofessor Wilhelm Schickard bereits 1623 – im Geburtsjahr von Pascal – eine Rechenmaschine erbaut hatte, die ihm und auch seinem Freund Johannes Kepler das Rechnen vereinfachen sollte. Sie funktionierte über sechs Stellen und arbeitete sowohl bei der Addition als auch bei der Subtraktion Zehnerüberträge mechanisch ab. Somit gebührt der Ruhm der ersten Rechenmaschine nachweislich Schickard, der lediglich das Pech hatte, dass seine Rechenmaschinen im Dreißigjährigen Krieg verbrannten. Erst durch das Wiederfinden der Briefe mit Konstruktionsskizzen von Schickard an Kepler in der Sternwarte von Pulkowa konnte seine Erfindung belegt werden. Trotzdem wurde dadurch die eigenständige Erfindungsleistung von Pascal nicht geschmälert. Seine Maschinen waren eleganter und feiner konstruiert und hatten einen Zehnerübertrag, der durch Kraftspeicherung auch noch über zehn Stellen einwandfrei funktionierte. Pascal, der seinem Vater, einem königlichen Kommissar und obersten Steuereinnehmer in der Normandie, bei seiner Arbeit helfen sollte, war davon nicht begeistert. Seine Idee war es, dass eine Maschine die ermüdende Arbeit des Kopfrechnens fehlerfrei und ohne Anstrengung ausführen können sollte. Außerdem wollte er sich viel lieber seinen Studien der Philosophie und Theologie zuwenden. Das war Grund genug, eine Rechenmaschine zu konstruieren. Seine Erfindung war so bahnbrechend, dass er vom Vorgesetzten seines Vaters, dem Kanzler Séguier, ein königliches Privileg, ein Vorläufer des Patentes, erhielt. So konnten nach seinem Entwurf mehrere Pascalinen gebaut werden. In der Literatur ist häufig von ca. fünfzig Exemplaren die Rede. Erhalten sind heute neun Rechenmaschinen von Pascal. Im Jahr 2013 tauchte auf dem internationalen Markt eine weitere Pascaline auf. Es stellte sich erst nach gründlicher Untersuchung heraus, dass es sich dabei nur um eine äußerst kunstfertig hergestellte Replik handelte. Zunächst lag die Vermutung nahe, dass es sich um ein weiteres Exemplar der Repliken des Uhrmachers Ernest Rognon handelte, der 1926 als Uhrmacher im CNAM in Paris den Auftrag zum Bau von drei Repliken erhielt. Ein Exemplar war für das Science Museum in London gedacht, das zweite ging an die IBM-Sammlung in New York und das dritte in Privatbesitz. Diese extrem akribisch gearbeiteten Nachbauten wurden bewusst auch äußerlich dem Original angepasst. Somit wirken sie auf den ersten Blick täuschend echt. Ein detaillierter Vergleich mit dem im Science Museum in London gezeigten Exemplar dieser Provenienz widerspricht dieser These jedoch.

Das Innere der Pascaline ist viel detailgetreuer repliziert. Die Filigranität und Funktionsweise der Maschine entsprechen tatsächlich sehr exakt dem Original. Die Widmung im Deckel belegt jedoch, dass es sich um eine exakte Kopie der Rechenmaschine für die Königin Christina von Schweden handelt, deren Original sich im CNAM befindet. Ein vergrößerter Nachbau der Pascaline, die im Jahr 2010 angefertigt worden ist und robust genug ist, um von den Besuchern des Arithmeums selbst bedient zu werden, dient als Ergänzung zu diesem originalgetreuen Nachbau, um das unmittelbare Erleben und Verstehen dieser faszinierenden Maschine und damit auch eines wichtigen Schritts in der Entwicklung des maschinellen Rechnens zu ermöglichen.