Morland Addiergerät

Der englische Erfinder und Diplomat Sir Samuel Morland (1625-1695) erfand 1666 unter dem Eindruck der Pascaline dieses kleine Rechengerät. Unter König Charles II (1660-85) war Morland als englischer Gesandter an den Hof der schwedischen Königin Christine gelangt und hatte dort jenes Exemplar der Pascalschen Zweispeziesmaschine gesehen, welches der stolze Erfinder 1649 der wissenschaftsliebenden Königin übersandt hatte. Wieder nach England zurückgekehrt, entwarf Morland dieses Addiergerät in einer Lederschatulle, von dem heute noch drei Originale in englischen Museen aufbewahrt werden (Science Museum, London (2), Old Ashmolean Museum, Oxford (1)). Morlands Addiergerät verfügt ebenso wie Pascals Maschine über nebeneinander angeordnete Zahnscheiben, welche mit einem zierlichen Stift eingestellt werden. Doch im Gegensatz zur Pascaline besitzt das für die damalige englische Währung eingerichtete Gerät weder eine Einstellskala für die Subtraktion (Komplementärzahlen), noch ein zusätzliches Resultatwerk. Vor allem aber fehlt ihm ein automatischer Zehnerübertrag. Letzterer muss von Hand mit Hilfe der oberhalb der Einstellscheiben befindlichen Zählscheiben für das Umdrehungsmerkwerk nach der Eingabe der Werte nachgeholt werden. Das Fehlen des automatischen Zehnerübertrags klassifiziert Morlands Erfindung per defenitionem nicht als Maschine, sondern als Rechengerät, welches kaum als eine Konkurrenz zur Pascal-Maschine angesehen werden kann. Es stellt vielmehr eine Addierhilfe für kaufmännische Berechnungen dar. Der geringe Nutzen wurde denn auch bereits von den Zeitgenossen, z.B. Samuel Pepys, kritisiert. Die Replizierung des ca. 120 Teile umfassenden Morland'schen Addiergerätes wurde von Ullrich Wolff nach einem Nachbau aus der Sammlung der IBM New York ausgeführt. Da kein Zehnerübertragsmechanismus berücksichtigt werden musste, lagen die größten Probleme in der Herstellung der mit Seide bespannten und mit Pappe verstärkten Lederschatulle, die der Bonner Künstler Bernhard Kremser herstellte.