14.04.2011
Im Mittelalter und auch noch in der ausgehenden Neuzeit wurde in Europa mit römischen Zahlen gerechnet. Erst mit Adam Ries und seinen Rechenmeisterkollegen
hielten die indisch–arabischen Ziffern Einzug nach Deutschland. Die Einführung dieser indisch–arabischen Ziffern war seinerzeit nicht unumstritten und führte
zu heftigen Kontroversen. Aus heutiger Sicht scheint der Ausgang dieses Streits eindeutig, da das Rechnen mit römischen Zahlen nur mit Hilfe eines Abakus möglich war.
Dieser Frage widmete sich Herr Professor (em.) Walter Oberschelp von der RWTH Aachen und kam zu ganz neuen Erkenntnissen. Die Grundrechenarten Addition und Subtraktion
und sogar in Ansätzen die Multiplikation waren durchaus mit den römischen Zahlen realisierbar.
In einem fiktiven Dialog über das Rechnen mit römischen und arabischen Zahlen treffen nun am Hofe Karls des Großen der Kaiser selbst, ein Mönch, eine kluge Klosterfrau
und der historisch belegte Jude Isaak, der für Karl den Großen an einer Mission nach Bagdad teilgenommen hatte und von dort bereits Informationen über das Rechnen mit
arabischen Zahlen vom jungen Al Chwarizmi erhalten haben könnte, zusammen. Es entwickelt sich ein äußerst interessanter und spannender Disput, bei dem das Publikum
die beiden völllig unterschiedlichen Ansätze des Rechnens kennen lernt. Ein besonders fachkundig besetztes Ensemble macht diese Zeitreise noch reizvoller: Karl der
Große wird vom Altrektor der RWTH Aachen, Klaus Habetha, der selbst Mathematiker ist, gespielt, während die Klosterfrau von einer historisch und mathematisch
einschlägig vorbelasteten Doktorandin der RWTH gemimt wird.
Darstellung Karls des Großen in der Chronik des Ekkehard von Aura um 1112/14