16.09.2006 - 30.09.2006
Der bedeutende Mathematiker Kurt Gödel (1906 -1978) wurde vor 100 Jahren in Brno (Brünn) geboren. Aus diesem Anlaß hat der Wiener Mathematiker Karl Sigmund eine Ausstellung zusammengestellt und ein Buch veröffentlicht (Karl Sigmund, John Dawson, Kurt Mühlberger: Kurt Gödel - Das Album/The Album. Vieweg 2006, ISBN 3-8348-0173-9). Aus Anlaß der Jahrestagung der Deutschen Mathematiker Vereinigung in Bonn zeigt das Arithmeum vom 16. bis zum 30. September 2006 die Ausstellung „Kurt Gödel“.
Bereits im Alter von vierundzwanzig Jahren revolutionierte Kurt Gödel nicht nur die Mathematik, sondern auch unsere Sicht der Mathematik - Stichwort Mengenlehre. Er pendelte während der 1930er Jahre zwischen Wien und den USA. In Princeton arbeitete er am neu gegründeten Institute for Advanced Study. Nach Aufenthalten in der Sowjetunion und Japan emigrierte er 1940, obwohl nicht rassisch verfolgt, in die USA. Er kehrte nie wieder nach Wien zurück.
Gedankliche Extremtouren
Das Time Magazine reihte ihn unter die hundert wichtigsten
Personen des zwanzigsten Jahrhunderts ein. Die
Harvard University verlieh ihm das Ehrendoktorat für die
Entdeckung „der bedeutsamsten mathematischen
Wahrheit des Jahrhunderts". Er gilt allgemein als der
größte Logiker seit Aristoteles. Sein Freund Einstein ging,
nach eigener Aussage, nur deshalb ans Institut, um Gödel
auf dem Heimweg begleiten zu dürfen. Und John von
Neumann, einer der Väter des Computers, schrieb:
„Gödel ist tatsächlich absolut unersetzlich. Er ist der einzige
Mathematiker, von dem ich das zu behaupten wage.“
Die Ausstellung wendet sich dabei nicht an ein
Fachpublikum sondern an alle, die sich für Kultur und
Geschichte interessieren. Kuratoren der Ausstellung sind
der Ordinarius am Institut für Mathematik in Wien, Karl
Sigmund, und der Nachlassverwalter Gödels, John
Dawson. Ein Großteil des Materials – vieles davon war
bis dato der Öffentlichkeit nicht zugänglich - kommt aus
dem Archiv der Universität Wien und der Firestone Library
von Princeton.
Gödels grundlegender Beitrag zur Mengenlehre
Kurt Gödel bewies, dass es in jeder mathematischen
Theorie, die reichhaltig genug ist, um das Zählen,
Addieren und Multiplizieren zu erlauben, wahre Sätze
gibt, die nicht bewiesen werden können - es sei denn, die
Theorie enthält einen Widerspruch. Schlimmer noch: Man
könnte sicher sein, dass sie einen Widerspruch enthält,
wenn es innerhalb der Theorie gelänge, ihre eigene
Widerspruchsfreiheit zu beweisen. Auch die beiden anderen großen Entdeckungen Gödels sind von atemberaubender Kühnheit. Er hat einen grundlegenden
Beitrag zur Mengenlehre geliefert, also dem Studium des Unendlichen. Gödel gelang damit die Hälfte der Lösung des so genannten
Kontinuumproblems, der Nummer Eins in der Liste
der mathematischen Probleme seines Jahrhunderts.
Reisen in die eigene Vergangenheit
Und er hat bewiesen, daß Einsteins Relativitätstheorie Reisen in die eigene Vergangenheit grundsätzlich erlaubt. Richtig verdaut haben das die Kosmologen noch heute nicht. In einer Randbemerkung hält Gödel fest, daß die
Zeitrichtung bei der Landung des Reisenden wieder dieselbe
ist, also nicht verkehrt abläuft wie in einem falsch
eingelegten Film. Diese gedanklichen Extremtouren forderten
von Gödel allerdings einen hohen Zoll, was soweit
führte, daß er viel Zeit in Nervenheilstätten verbrachte
und vom Direktor seines Instituts als Genie mit psychopathischen
Zügen bezeichnet wurde.
Gödel hatte seine besten und fruchtbarsten Jahre in Wien
verbracht. Er gehört in das Wien der Zwischenkriegszeit,
so wie Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Karl Popper,
Konrad Lorenz, Robert Musil oder Arnold Schönberg, und
vielleicht wird er einmal der bekannteste Vertreter dieses
„goldenen Herbstes“.
Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Arithmeums jeweils von Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt beträgt 3,- Euro. Gruppen (7 Personen und mehr) nur nach telefonischer Absprache: 0228 73 87 90.